Europäisches Künstlerhaus
Oberbayern - Schafhof

 
 
 

AUSSTELLUNGEN ‹folgende Ausstellung

Europäisches Künstlerhaus Oberbayern - Schafhof / FarbRäume - Klaus von Gaffron: Parlyn III, Fotobild (Ausschnitt)

FARB/RÄUME - open color II

arrowKlaus von Gaffron  arrowStephan Fritsch  arrowKlaus Schmitt
8. März - 14. April 2013

Vernissage
7. März 2013, Donnerstag 19 Uhr

Grußwort: Ursula Bittner, Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin
Einführung: Anjalie Chaubal M.A., Leiterin Städtische Galerie Cordonhaus Cham

Künstlergespräch und Finissage
14. April 2013, Sonntag 15 Uhr


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Die Ausstellungen im Schafhof - Europäisches Künstlerhaus Oberbayern stehen 2013 unter dem Thema FARBE und reflektieren dieses aus mehreren Perspektiven, über verschiedene künstlerische Strategien, Positionen und Medien. Die erste Ausstellung „FarbRäume - open color II” zeigt eine Verbindung der klassischen Vorstellung von Malerei mit raumgreifenden Formen sowie Fotogbildern.

Die in den Raum gestellten Großformate von Stephan Fritsch und die Farbobjekte von Klaus Schmitt werden Teil des Bewegungsradius‘ der Betrachter. Klaus von Gaffron geht mit seinen großflächigen Fotobildern der Realität so nahe, dass sie zu abstrakten Farbverläufen werden.

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Bilder aus der Ausstellung

Schafhof - Europäisches Künstlerhaus Oberbayern: Ausstellung FarbRäume

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Videointerviews mit den Künstlern







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Einführung in die Ausstellung von Anjalie Chaubal

Sehr geehrte Damen und Herren,

Farbe und Raum, zwei feststehende Begriffe, die in Ihrer Zusammensetzung vieles offen lassen – im Falle des Ausstellungstitels – verstärkt durch die orthographische Zäsur der Versalie des zweiten Teil-Wortes. Ein Titel, der uns auf Reisen schickt, etwas zu entdecken und zu erkennen, das somit nicht von vorneherein festgelegt ist, sich im Kopf des Betrachters erst vervollständigt und eine grundsätzliche Offenheit bietet, die dem interpretatorischen Freiheitsgedanken abstrakter Kunst per se folgt. Doch „Bilder laden dazu ein, dass sie etwas zeigen, was sie nicht sind“ sagt Jakob Steinbrenner. Bereits auf der Ebene der Bildwahrnehmung hinterlässt – so der Philosoph weiter – unsere Biografie ihre Spuren.

Spannend für die zeitgenössische Bildende Kunst bleibt die Frage, welche Bezüge Farbe im Gegensatz zur Referenz der sichtbaren Welt herstellen kann, welchen Anteil Material und Prozess des Entstehens einnehmen, inwieweit Idee und Konzept vom Zufall mit gestaltet werden und welche Grenzen in den verschiedenen Medien mit dem Mittel der Farbe ausgelotet werden. „Die Farbe ist auch und gerade in der Gegenwart ein pluralistisches Phänomen, das sich nicht normativ in einer Entwicklung begrenzen oder kanalisieren lässt [...] Die Entfaltung der Farbe in den Mittelpunkt zu rücken, bedeutet zwar einerseits eine Einschränkung, aber in dieser Fragestellung begründet sich zugleich auch die Möglichkeit der Expansion der Farbe im Hinblick auf die Intensität und Fülle ihrer sinnlichen Gegebenheit, ihre physische Wirkung und geistige Dimension“1 schreibt Volker Adolphs zu einer Ausstellung mit dem Titel „Farbe. Malerei der 90er Jahre“, im Kunstmuseum Bonn, 1996. Damit bleibt Farbe – auch nach den radikalen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts eine Möglichkeit der Wahrheitsfindung.

In diesem Sinne gedacht, präsentieren Stephan Fritsch, Klaus von Gaffron und Klaus Schmitt, Malerei, Fotografie und Bildhauerei an der Schwelle zu Nachbardisziplinen und loten Grenzbereiche der Malerei zur Bildhauerei, der Fotografie zur Malerei und der Bildhauerei zur raumgreifenden Installation und schließlich zum multiplen Raumbild aus. Gemeinsam ist Ihnen das Medium Farbe als Konzept künstlerischer Auseinandersetzung.

Stephan Fritsch malt Bilder, die Farbe als reines Gestaltungsmittel zulassen. Er schüttet Farbe, lässt sie verlaufen, sprüht, spachtelt und malt klassisch mit dem Pinsel. Unvoreingenommen experimentiert Fritsch mit unterschiedlichsten Malmaterialien und Techniken, irritiert die Sehgewohnheiten des Betrachters und konfrontiert ihn mit fehlerhaft wirkenden Brüchen und unkonventionellem Farbauftrag. Gleichsam einer Verweigerung alles Narrativen und Illustrativen, negiert Stephan Fritsch jegliche Gegenständlichkeit und widersetzt sich klassischen Kompositionsschemata und Ordnungsstrukturen. Vordergründiges rückt nach hinten, Farbräume öffnen sich, werden wieder verdeckt oder sogleich von Übermalungen zerstört.

Die zahlreichen Schichten von Farbe wechseln zwischen lasierendem und deckendem Auftrag, bezeihen Untergrundfarben als freigelassene Flächen mit ein und legen den Prozess des Malens offen. Der Pinselstrich ist gestisch spontan, kalkuliert sich verselbständigende Verläufe dünner Farbe in gleichem Maße ein, wie Oberflächen, die im Zustand des Trocknens krakeleeartige Strukturen hinterlassen. Die Textur erscheint als gewolltes Zeichen und bewirkt eine Verzahnung der expressiven Geste mit dem Prinzip des Zufalls als hierarchische Gleichberechtigung des Bildaufbaus. Mit Betitelungen wie „übers Pfeifen im Wald“ oder „nicht vor morgens“ greift Stephan Fritsch ironisch Assoziationen des Betrachters auf, irritiert ihn zugleich und bietet den Einstieg in eine völlig freie Interpretation.

Der Farbkanon in den Malereien von Stephan Fritsch variiert zwischen sanften und grellen Tönen aber auch zwischen harmonischen Farbfamilien und zu „Unfarben“ gemischten großflächigen Farbfolgen, die im „Goetheschen“ Sinne wenig angenehm erscheinen und eher der farbigen Modulation von Licht und Schatten entsprechen. Gleichberechtigt finden sich Serien von Malereien leuchtender Farben, die bis zum Komplementärkontrast die Farbkraft steigern und durch gesprühte Silber- und Goldlacke Glanzeffekte aufweisen – wie die hier gezeigte Arbeit „more than beeing blue“, die an Bilder der Pop-Art und den Einzug von Massenmedien und Werbung in die Kunst erinnern lassen.

Auch in der Materialwahl widersetzt sich Fritsch den Regeln, verwendet neben hochwertigen Acrylfarben Dispersions- und Wandfarben, Leinwände, Papier, Holzplatten und Pappkarton aus der Baumarktabteilung. Auf diese Weise vermischt der Künstler provokativ klassische Werkstoffe mit einfachsten Gebrauchsmaterialien, die nahe am zeitgemäßen Produktverständnis des Betrachters sind, und ihn damit durch vertraute Wahrnehmungsmuster ansprechen.

So zeigt sich bei Stephan Fritsch Malerei als Experiment und Spiegel einer schnelllebigen Welt. Hängen die Bilder schließlich an der Wand, verändern sie den umgebenden Raum, nehmen Besitz von ihm und wirken über den Rand der Bildfläche hinaus. An Hausfassaden, in Treppenhäusern und in raumgreifenden Installationen – hier durch die Präsentation auf Holzklötzen, freistehend auf dem Boden - bringt er farbliche Interventionen an, die auf architektonische Situationen und natürliche Farbumgebungen wie schnell hingemalt Bezug nehmen. Temporär oder dauerhaft, erschließt er damit Räume, die der Malerei üblicherweise nicht zur Verfügung stehen und stellt auch auf dieser Ebene Fragen über die Definition von Malerei, will keine Antworten liefern, sondern Irritationen schaffen, die Wahrnehmung schärfen und uns als Betrachter zum Nachdenken anregen.

Und hierin ist der wohl direkteste Übergang zu den Arbeiten von Klaus von Gaffron, dessen Arbeiten Sie im Erdgeschoss finden. In einem anderen Medium, dem der Fotografie, spielt der Künstler mit kollektivem Gedankengut im Bewusstsein der Menschen, greift es mit seiner Kamera auf, setzt einen gezielten Fokus auf Dinge, die alleinig durch ureigene Mittel der Fotografie wie Unschärfe, Lichtreflexe oder Spiegelungen verfremdet werden. Auch er irritiert den Betrachter, schärft seinen Blick und liefert neue Sehweisen bekannter Bilder.

Klaus von Gaffron inspirieren vor allem alltägliche Objekte, zufällige Situationen, die er gezielt mit seiner Kamera einfängt. Er rückt Vergessenes, Ausgegrenztes und Übersehens in den Vordergrund, hinterfragt kritisch gesellschaftliche Entwicklungen und beschäftigt sich intensiv mit dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Freilich sehen sie in den hier gezeigten Arbeiten kaum Gegenständliches, doch es handelt sich nicht um nachträglich bearbeitete Fotovorlagen oder am Computer generierte Bilder, sondern immer um reale Gegenstände, die sich alleinig durch Unschärfe, sensibel austariertes Licht- und Schattenspiel und das herauslösen fragmentarischer Details, zu abstrakten Formen wandeln.

Auch von Gaffron setzt sich ganz bewusst gegen die Regeln seines Metiers. Nicht die größtmögliche Abbildhaftigkeit ist das Ziel seiner fotografischen Arbeiten, sondern die Verfremdung bis zur Unkenntlichkeit. Waren in früheren Arbeiten noch einzelne Gegenstände zu erkennen, die in provozierenden Gegensätzen zueinander inszeniert wurden, sehen wir heute zunehmend extrem abstrahierte Bilder, die auch über die nachträglich vergebenen Titel kaum Aufschluss auf ihren Ursprung geben. Viel subtiler beziehen sich seine aktuellen Arbeiten wie „Parlyn“ oder „Sorun“ und „Oris“, auf nicht existierende Begrifflichkeiten – beim Googlen habe ich einen Begriff jedoch zufällig als Produktnamen einer Uhr entdeckt, was sozusagen einem nicht kalkulierten Zufall entspricht. Denn man kann die reale Welt, die den Fotografien zugrunde liegt nur erahnen. Der Betrachter findet Assoziationen zu Pflanzen, Natur, dem menschlichen Körper, doch er bleibt im Ungewissen. Räumliche Gefüge lösen sich auf, Vordergrund und Hintergrund verschmelzen zu einem Kontinuum. Auch sie verändern den umgebenden Raum, tauchen ihn wie in farbiges Licht und sprechen damit gerade die sinnliche Wahrnehmung an.

Bedenkt man, dass gerade die Fotografie die reale Welt immer nur im Augenblick des Auslösens festhalten kann und räumliche Struktur üblicherweise durch Tiefenschärfe erreicht wird, erkennt man um so deutlicher die bewusst eingesetzte Provokation und die konsequent weiter entwickelte Intention in den Arbeiten von Klaus von Gaffron. Der Stillstand wird zum ästhetischen Seherlebnis und die verschwommene Licht- und Schattenwelt führt zu jeglicher Aufhebung von Zeit und Raum. Die Abstraktion der Gegenstände und Figuren in großflächige Farbflächen strahlt einen gleichmäßig, ruhigen Rhythmus aus, der nach malerischen Prinzipien komponiert wird.

Mit seinen Bildwelten schafft von Gaffron neue Räume, die durch sanfte Übergänge Poesie und Harmonie ausstrahlen und ihre Brüche und Irritationen erst auf den zweiten Blick offenbaren. Er zeigt damit eindrucksvoll die schöpferische Qualität der Fotografie aber auch ein raffiniertes Spiel um Schein und Sein.

Klaus Schmitt führt uns mit seinen Arbeiten schließlich wahrhaftig in die dritte Dimension. Seine für Freising geschaffene Rauminstallation „7 und 8“ durchbricht großflächig das natürliche Gefüge des Raumes. Er setzt sieben Farbtafeln beidseitig auf verschiedene Ebenen eines aus acht Vertikalen zusammengesetzten, gerüstähnlichen Holz-Gestells. Die Reduktion auf nahezu monochrom bemalte Farbflächen unterstreicht die Klarheit und geometrische Reduktion seiner Formensprache, die wir bereits von seinen linearen Bildstrukturen mit klar gesetzten Vertikalen, Horizontalen und Diagonalen auf Papier kennen – wie in dem vom Erdgeschoss ins Gewölbe führenden Leitsystem von drei Aquarellen mit dem Titel „Doppel-X“.

In der Rauminstallation bewirkt die exakte Konstruktion aber auch einen fließenden Übergang zum Objektcharakter. Wie eine doppelte Stellwand, ein Regal oder eine Holzverschalung, gibt „7 und 8“ gerade durch die Offenlegung der Konstruktion den Eindruck des temporär angelegten oder des Vorübergehenden. Die einzelnen Farbtafeln sind durch den erkennbaren Pinselstrich und unterschiedlich dichten Farbauftrag lebendig strukturiert und in ihrer Zusammenstellung auf verschiedenen Höhen und Tiefen der Holzkonstruktion farblich zueinander komponiert. „Seine“ wie er selbst sagt „sieben Farben“ hat er gezielt für den Raum geschaffen, hat vor Ort noch ausgewählt, Gelb beispielsweise weggelassen, weil es gegen das Holz des Gewölbes zu schwach erschien. Die sieben Farbbahnen suchen schließlich das Gleichgewicht zu den acht vertikalen Holzstellagen, als Gesamtinstallation nehmen sie Bezug zum übergroß dimensionierten Holzgewölbe, dem Herzstück des Hauses.

Schmitt erweitert in dieser raumgreifenden Arbeit die Strenge des verwendeten Materials um das lebendige Element Farbe, orientiert sich an genreübergreifenden Medien wie Architektur oder Design und entwirft teils dekonstruierende Mischformen. Damit gelingt ihm – wie Lida von Mengden so eindringlich für die jüngere Bildhauergeneration beschreibt – eine Kontextverschiebung, die zu Transformationen der Bedeutung des Materials, aber auch der Formensprache führt.2

Farbe wird zum Objekt das sich mit dem Raum verschränkt, die Architektur wird um Struktur und Farbe ergänzt. Von keinem Standort kann die Rauminstallation vollständig betrachtet werden, weshalb sich unterschiedliche Einzelansichten zu Einzelbildern wandeln. Erst durch die Bewegung im Raum schafft der Betrachter vielfältige Bilder und Farbe wird ähnlich dem direkten Malen auf die Wand zum „Raumbild“ - wie Andreas Strobl diesen Vorgang beschreibt. Zugleich erzeugen die Farbflächen über die sinnliche Wahrnehmung selbst Raum und erweitern das Raumbild zum erlebbaren Farbraum!

Somit besetzen Schmitts skulpturale Interventionen auf vielschichtige Weise ihre Umgebung und geben ihr eine neue visuelle Bestimmung. Je nach Raumsituation handelt es sich um ein empfindsames Austarieren räumlicher Gegebenheiten, das bewusste Setzen von Gegenpolen oder eine Weiterführung der bestehenden Architektur. Mit offenen Strukturen auf der Basis von Ordnungssystemen wie Knoten, Netzen oder Kreuzungen, inszeniert er den Raum, reagiert auf markante Zäsuren, lenkt den Blick in verschiedene Richtungen, die sich scheinbar unendlich fortzusetzen oder von der Architektur förmlich aufgegriffen werden. Spannend entwickelt sich der Raum von jedem Standpunkt neu, je nach Farbe und Schattenbildung der Gesamtinstallation.

Anjalie Chaubal
Leiterin Städtische Galerie Cordonhaus Cham und Geschäftsführerin art:phalanx Kunst- und Kommunikationsbüro (www.artphalanx.de)

Rede anlässlich der Eröffnung „FarbRäume – Stephan Fritsch, Klaus von Gaffron, Klaus Schmitt“ im Schafhof – Europäisches Künstlerhaus Oberbayern am 7. März 2013

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Die teilnehmenden Künstler


Europäisches Künstlerhaus Oberbayern Schafhof - FarbRäume - Klaus von Gaffron: Parlyn, 2013, LightJet auf AluDibond, je 119x84 cm

Klaus von Gaffron

geboren 1946 in Straubing
lebt und arbeitet in München
www.klaus-von-gaffron.de

Klaus von Gaffrons „Fotobilder“, wie er seine Tableaus und Fotoserien nennt, konfrontieren uns mit einem anderen Weg. Dieser Weg ist eine Schule des Sehens, die uns ein Wahrnehmen ohne piktoriale Klischees lehrt, jenseits der uns umbrandenden kommerziellen und multimedialen Bilderflut. Der Lichtbildner von Gaffron ist überzeugt davon, dass “es kein wahres Foto gibt, nur die Realität des Bildes“. Diese Realität entsteht erst während des Schaffensprozesses.

Klaus von Gaffron bedient sich dabei der Mittel, die dem Medium Fotografie eigentümlich sind, aber vor allem in den Arbeiten der letzten Jahre tut er dies zunehmend in einer Weise, die zumindest nach traditionellem Verständnis der raison d’être des Mediums widersprechen – vorzugsweise mit Unschärfen und Überbelichtungen. Bewusst verzichtet er dabei auf nachträgliche digitale Verfremdungen. Ausgangspunkt ist die Welt alltäglicher, ja banaler Gegenstände, deren Details er mit der Kamera hingebungsvoll erkundet. Aber aus dem kreativen Spiel mit den Wirklichkeitsausschnitten entstehen Gebilde, die sich der Verdinglichung, der eilfertigen Wiedererkennung und voyeuristischer Augenlust entziehen. (...)

Seine jüngsten Arbeiten sind ganz im Reich der Abstraktion angesiedelt. Sie versetzen feste Kategorien in Bewegung: Was ist hier groß oder klein, oben oder unten, amorph oder konturiert? Formassoziationen, Licht- und Farbräume von unauslotbarer Dimensionierung tun sich auf, serielle Reihungen faszinieren und irritieren mit ihren Symmetrien, Brüchen und Permutationen. Die Zeit wird aufgehoben und verwandelt sich in Raum.

(Prof. Dr. Andreas Kühne)


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Europäisches Künstlerhaus Oberbayern Schafhof - FarbRäume - Stephan Fritsch: Mehr Licht als Schatten, 2013, Akryl auf Leinwand, 250x200 cm

Stephan Fritsch

geboren 1962 in Stuttgart
lebt und arbeitet in Salzburg
www.stephanfritsch.de

Wenn Malerei das Inbild oder Abbild von energetischen Vorgängen wird, steht wiederum der nach- oder nicht-ikonische Ansatz im Vordergrund: die Projektion von raumhaltigen Gesten und die Bearbeitungen von Volumina und Tiefen sind damit nicht formal ausgeklügelte Kompositionen, sondern im Zeit-Raum-Kontinuum verortete Spannungsflüsse. Stephan Fritsch untersucht mit seinen gestischen Flächensetzungen und malerischen Linienziehungen diese fundamentalen Grundbedingungen der Malerei.

(Margit Zuckriegl: Abenteuer Fläche)


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Europäisches Künstlerhaus Oberbayern Schafhof - FarbRäume - Klaus Schmitt: Show me the Way to the next..., 2012, Modell

Klaus Schmitt

geboren 1955 in Korschenbroich
lebt und arbeitet in Mönchengladbach
www.klausschmittart.de

Da die großen Installationen von Schmitt immer den Raum gezielt durchdringen, sprengen oder auch regelrecht erobern, sind sie als Metaphern für die Wahrnehmung von Volumina zu verstehen – und zugleich für deren Auflösung. Durch Schmitts Arbeiten entstehen innerhalb des vorhandenen Umraumes neue, fiktive Räume, die sich, abhängig vom Standpunkt der Betrachter, permanent verändern und somit deren Raumverständnis und Wahrnehmung hinterfragen. (...)

In Schmitts Arbeiten sind Anklänge an ein humanistisches Weltbild zu vernehmen, das auf ein harmonisches Miteinander hin ausgerichtet ist. Dass es dieses in letzter Konsequenz nicht gibt, das ist bekannt. Entsprechend berichten Schmitts als „Sterne“ bezeichneten Aquarelle von der Suche, dem Streben nach jenem harmonischen Mittelpunkt, dem eigentlichen Zentrum, das sich tatsächlich nicht finden lässt. Denn, wie inzwischen wissenschaftlich belegt werden kann, ist auch das scheinbar dichteste Zentrum immer in Bewegung und niemals endgültig fixiert. Was aber bleibt, ist die Idee von dieser Mitte und der kontinuierlichen Annäherung an sie.

In der Hängeskulptur „Show me the way to the next“ hat der Künstler das Prinzip der „Sterne“ aus der Fläche in die Dreidimensionalität übertragen. So entspringen die bemalten Platten alle jener zentralen Achse, um sich im Raum zu entfalten. Oder, anders gedacht, die Platten versammeln sich als verdichtende Materie aus dem Raum hin zu jener Mitte, die zwar starr erscheint, aber letztlich in leichter Bewegung ist. (...)

Denn alle seine Arbeiten, seien es nun Skulpturen oder Aquarelle, verströmen jenes wunderbare Gefühl von Freiheit. Die Grenzen, die vielleicht durch das Format des Papiers oder auch der Leinwand vorgegeben sind, werden durch die Pinselsetzungen des Künstlers ohne weiteres überschritten. Wenn schon nicht in der Realität, dann zumindest in unserer Fantasie.

(Dr. Christian Krausch)


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